Zum Wintersemester 2008/09 greift an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz die Umstellung der Studiengänge auf das gestufte Studiensystem. Zunächst werden die Bachelor-Studiengänge eingeführt, die Master-Fächer folgen größtenteils zum Wintersemester 2011/12. Um alle Beteiligten - Studierende, Lehrende sowie die Verwaltung - über die Tragweite und den aktuellen Stand des Großprojekts zu informieren, organisierte die Abteilung Studium und Lehre die Informationsveranstaltung "Die neuen Studiengänge vor dem Start". Die Präsentationen der Referenten finden Sie nebenstehend als Download.
Die Universität Mainz hat sich für eine Regelstudienzeit von sechs Semestern in den Bachelor-Studiengängen entschieden. Der Bachelor-Studiengang kann aus einem Fach bestehen (unter Umständen mit Wahlfach) oder aus einem Kernfach und einem Beifach. Eine weitere Variante ist das Studium für das Lehramt mit zwei Fächern und Bildungswissenschaften als drittem Standbein.
Der Bachelor ist der erste berufsqualifizierende Hochschulabschluss, an den ein Master-Studiengang angeschlossen werden kann. Die Inhalte des Master-Studiengangs ergeben sich entweder konsekutiv aus dem Bachelor oder aber sie sind fachlich eigenständig, so wie beispielsweise bei dem an der Universität Mainz bereits angebotenen Master Journalismus.
Das gestufte Studiensystem arbeitet mit Modulen, die sich aus thematisch kohärenten Lehrveranstaltungen zusammensetzen. Sie lösen die bisher übliche Vielzahl der Einzelveranstaltungen ab. Eine Quantifizierung der Studienleistungen, in der einzelne Veranstaltungen je nach Aufwand unterschiedliche Leistungspunkte nach dem "European Credit Transfer System" (ECTS) zählen, ergänzt die bestehende Quantifizierung nach Semesterwochenstunden. Zudem schließt jedes Modul mit einer Prüfung ab, deren Ergebnis in die Endnote des Studiums eingeht. Damit wird die einseitige Gewichtung von Abschlussarbeit und Abschlussprüfungen deutlich verringert.
In den kommenden Semestern wird die Abteilung Studium und Lehre intensiv beobachten, ob der Leistungsdruck für die Studierenden gegenüber dem alten Studiensystem steigt, um gegebenenfalls gegensteuern zu können. Allerdings sind die Regelstudienzeiten von sechs Semestern für den Bachelor und vier Semestern für den Master nur Richtwerte, betont Dr. Bernhard Einig, Leiter der Abteilung Studium und Lehre: In Rheinland-Pfalz ist durch das Studienkontensystem ein maximal 18 Semester dauerndes Studium ohne Studiengebühren möglich.
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"Eine kontinuierliche und strukturierte Abstimmung durch die Lehrenden ist angesichts dieser Ansprüche an die Lehrinhalte wichtiger als je", hebt Vogt hervor. Unter anderem sollen durch regelmäßige Absprachen Überschneidungen im Studium auf ein Minimum reduziert werden. Dazu müsse sich die Planung der Lehrenden untereinander, mit der Verwaltung und mit den Fachbereichen vernetzen. Um dieses Minimum an Überschneidungen im Stundenplan der Studierenden zu erreichen, müssen auch starre Regelungen aufgebrochen werden. So soll die konsekutive Abfolge von Modulen nur dann zwingend sein, wenn es aus fachlicher Sicht unumgänglich ist. "Kein Studierender soll ein ganzes Semester verlieren, weil er eine Modulprüfung im ersten Anlauf nicht bestanden hat und sich deshalb nicht für das folgende Modul im nächsten Semester anmelden kann", betont Dr. Einig.
Anmeldungen zu Lehrveranstaltungen und Prüfungen werden künftig durch das neue digitale Verwaltungssystem CampusNet an Verbindlichkeit zunehmen. Unter anderem soll es stärkere Konsequenzen beim Abbruch von Lehrveranstaltungen geben: Wer zweimal eine Lehrveranstaltung ohne driftige Gründe abbricht, dem wird eine erneute Zulassung nur in letzter Priorität gewährt. Die Studierenden tragen damit viel Verantwortung für ihr eigenes Handeln, was ihnen in Form einer qualifizierten Studienfachberatung auch deutlich vermittelt werden muss.
Im Gegenzug wird die Universität jede mögliche Hilfestellung bei der Integration des neuen Systems in den Studienablauf leisten: So werden Wechsel vom Magister- in einen Bachelor-Studiengang (wenn auch mit einigen Einschränkungen) möglich sein. Und bei Auslandsaufenthalten soll eine Studienberatung schon imVorhinein über die Möglichkeit zur Anrechnung der Leistungen im Bachelor- bzw. Master-Programm informieren.
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Mitte September geht zunächst der Client des Studierendenmanagements online (40 bis 50 Nutzer im Studierendenservice). Anfang Oktober folgt das Prüfungsmanagement mit 60 bis 90 Anwendern in den Prüfungsämtern. Schließlich kommt im Oktober oder November das Studienmanagement mit 40 bis 60 Nutzern in den Studienbüros hinzu. Anfang Dezember können wahrscheinlich schon erste Online-Bewerbungen entgegengenommen werden – ein Service, den künftig 25.000 Studieninteressierte jährlich nutzen sollen. Ab Februar 2009 wird CampusNet dann die volle Funktionalität bieten, auf die im alltäglichen Betrieb bis zu 40.000 Nutzer zugreifen. Die Einführung der CampusNet-Software ist ein einschneidender Wandel in der Datenverarbeitung der Universität Mainz und spiegelt die neuen Anforderungen wider, die die Umstellung auf das gestufte Studiensystem mit Bachelor- und Master-Studiengängen an die Hochschule stellt.
Großen Wert legt die Hochschule bei der Einführung des neuen Systems auf die Schulung der Anwender: Im Client-Bereich (Verwaltung) schließt sich an Grundlagenschulung, Vertiefungsschulung und Praxistraining samt Auswertung die weitere Betreuung in Form fester Besprechungstermine an. Ausgewählte Anwender mit einer hohen Affinität zu Computern, sog. "Key user", sollen zusätzlich qualifiziert werden, um als Multiplikatoren in den Fachbereichen, Instituten, den Studienbüros und Prüfungsämtern sowie in den Einrichtungen der Zentralen Verwaltung zu wirken. Parallel erstellt die Fa. Datenlotsen gemeinsam mit dem Projektteam der Universität Mainz auch entsprechende Handbücher und Prozessbeschreibungen für die CampusNet-Nutzer.
An den Schulungen für Studierende (ab November) wollen sich intensiv auch Mitglieder des AStA sowie die Fachschaften beteiligen: "Studierende lernen den Umgang mit dem System in der Regel sehr schnell", berichtet Thomas Noack von den Datenlotsen aus den bisherigen Erfahrungen mit CampusNet an anderen Hochschulen. Die Schulungen zur Website für Lehrende werden dann in den Wochen vor der Systemfreischaltung auf die Fachbereiche bezogen angeboten.
Anke Kamrath, Leiterin des Projekts zur Einführung eines integrierten Studien- und Prüfungsverwaltungssystems an der Universität Mainz, ist zufrieden mit dem bisher Erreichten: Unter anderem sind mittlerweile mehr als 500 aktuelle und alte Prüfungsordnungen in CampusNet abgebildet. Die Entwicklung der Web-Oberfläche und die technische Implementierung sind weit vorangeschritten. Die Referenzkonzepte sind weitgehend von den Fachbereichen umgesetzt worden und die mehr als 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Studienbüros und Prüfungsämtern wurden erfolgreich geschult. Auch die Migration der Studierendendaten ist weitgehend vorbereitet, so dass einem erfolgreichen Start von CampusNet an der Universität Mainz eigentlich nichts mehr entgegensteht. "Ich bin stolz auf die Mannschaft, die sich in den zurückliegenden Monaten unglaublich engagiert und dementsprechend sehr viel mehr umgesetzt hat, als jemals zu erwarten war", lobt Dr. Einig seine Kolleginnen und Kollegen auf dem gesamten Campus.
Schnittstellen zu wichtigen anderen Systemen erweitern die Möglichkeiten von CampusNet. So soll es Verbindungen zu externen Prüfungsverwaltungen (für Fächer wie Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie) geben, außerdem zur Praktikumsbörse für das Lehramtsstudium in Rheinland-Pfalz. Innerhalb der Universität wird sich das neue System unter anderem mit Ilias, dem ZDV-basierten System für e-Learning und e-Klausuren, der Personal- und Gebäudeverwaltung sowie der Universitätsbibliothek und dem Management-Informations-Systems verbinden können.
Lag der Fokus der verwendeten Software bisher primär bei der Zentralen Verwaltung wird sich das mit CampusNet ändern: "Künftig bilden die Studierenden, die Lehrenden sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Studienbüros und Prüfungsämtern die größte Nutzergruppe", erläutert Anke Kamrath. Vor allem ermöglicht CampusNet transparentere und gerechtere Verfahren, beispielsweise bei der Anmeldung zu einer Lehrveranstaltung. Anders als beim bisher vorherrschenden "Windhund-Prinzip", wonach die ersten Anmeldungen bevorzugt werden, gibt es in CampusNet eine Gesamt-Anmeldeliste. Die Veranstaltungsplätze werden dann nach zuvor festgelegten, bekanntgegebenen Kriterien vergeben.
Durch die Integration der verschiedenen Vorgänge fallen zudem die heute üblichen Medienbrüche und daraus resultierende Fehler weg, wenn z.B. Prüfungsergebnisse und andere Daten nicht mehr von einem System in ein anderes übertragen werden müssen.
"Auch für die Sicherheit im CampusNet ist gesorgt", erläutert Anke Kamrath. Der Einsatz eines iTan-Verfahrens macht Anmeldungen für Veranstaltungen und Prüfungen online komfortabel und sicher. Über das System werden auch Bescheinigungen und Dokumente bereitgestellt, die die klassischen Scheine ersetzen. Und weil bei jedem Zugriff auf die Datenbank den jeweiligen Personen nur die Teile des Datensatzes zugänglich werden, die sie für die Erledigung der Aufgaben benötigen, sieht auch der Landesdatenschutzbeauftragte von Rheinland-Pfalz die Ansprüche des Datenschutzes gewahrt und hat sein Einverständnis zum Betreiben von CampusNet erteilt.
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